Eine neue Dimension der Diabetes-Forschung

In Zeiten der künstlichen Intelligenz (KI), dem Internet of Things und Big Data verschmilzt auch die Medizin immer mehr mit der Digitalisierung. Im Rahmen des Symposiums „Innovative Diabetesforschung und zukunftsfähige Versorgung – Diabetologie 4.0?!“ wurde versucht dieser Entwicklung mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.

Durch riesige Datenbanken in Kombination mit Algorithmen wäre es besser möglich einen sogenannten „pre-disease state“ bei Diabetes mellitus molekular zu identifizieren und genau hier zu intervenieren; ein unglaublicher Benefit sowohl für PatientInnen, als auch das Gesundheitssystem, welches aufgrund der stark steigenden Inzidenz dieser Erkrankung vor immer mehr Herausforderungen gestellt wird.

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Chirurgie: Nicht immer eine Lösung

„Messer sticht Metformin“, „Diabetes durch bariatrische Chirurgie geheilt“, „Adipositas – keine Erkrankung der Inneren Medizin“… Diese und mehr plakative Überschriften geistern durch die Presse und machen auch vor den Toren des DDG-Kongresses nicht halt. Dabei werden in der Euphorie der kurzfristigen und durchaus positiven Ergebnisse der Sleeve-Gastrektomien und Magen-Bypass-Operationen häufig Langzeitfolgen gar nicht erst erwähnt. 

Herausgestochen ist deshalb der Vortrag von Herrn Prof. Aberle aus Hamburg, der die möglichen negativen Folgen der immerhin mindestens 10% der Patienten, die hinterher nicht joggend im Alten Elbtunnel anzutreffen sind, präsentierte. Insbesondere die steigende Inzidenz der psychischen Störungen (Depression, Selbstverletzung, Alkoholabusus) hinterlässt ein ungutes Gefühl in der Magengegend und zeigt, dass man auch bei Übergewicht dringend und zwingend nach der eigentlichen Ursache suchen muss. Mit Essen lässt sich vermeintlich viel kompensieren: fällt dies plötzlich weg, scheint sich offensichtlich eine bereits seit längerem bestehende Depression zu demaskieren, mit der Patienten unter Umständen alleine gelassen werden.

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Freiwillig weniger Zucker?

In ihrem Vortrag gab Frau Bitzer einen interessanten Einblick in die politischen Aktivitäten des Bereichs der Prävention auf Bundesebene.

Die DDG – seit vielen Jahren sehr aktiv im Bereich der Verhältnisprävention tätig – hat 2014 das Bündnis „DANK“ gegründet, dem 22 wissenschaftlich-medizinische Fachgesellschaften und Institutionen angehören.
2018 wurde das Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) beauftragt eine Reduktionsstrategie für Zucker, Fett und Salz in Fertigprodukten zu erarbeiten – die DDG war sofort bereit hierbei mitzuwirken. Die bisherigen Ergebnisse dieser Reduktionsstrategie wurden vorgestellt und waren unzureichend. Die Ziele der Reduktionsstragie wurden auf freiwilliger Basis mit der Industrie vereinbart und sind bis 2025 umzusetzen – Maßnahmen bei Nichteinhaltung sind nicht kommuniziert. Die DDG hat sich darauf hin dazu entschieden aus dem Begleitgremium auszusteigen. Dieser Schritt wurde damit begründet, dass keine Nachbesserungen angedacht sind, die DDG keine Einflüsse auf Zielvereinbarungen hat und dass ein Monitoring so niedriger Ziele nicht sinnvoll ist. Die anderen Fachgesellschaften sind im Gremium verblieben, haben aber deutlich Kritik geäußert. Nach dem DDG-Austritt gab es eine große (meist) positive mediale Aufmerksamkeit. Wie geht es weiter?

Weiter ging es mit der Erarbeitung einer verständlichen und vergleichbaren Lebensmittelkennzeichnung. Bestehende Systeme wurden geprüft, der Gewinner: der Nutri-Score.
Der Nutri-Score, bereits in Frankreich etabliert, wurde über 15 Jahre lang wissenschaftlich entwickelt. Mittlerweile sind weitere Länder dabei das System einzuführen. Er führt nachweislich dazu, dass gesünder eingekauft wird. In Deutschland wird der Nutri-Score bereits von 5 Firmen freiwillig genutzt und könnte für Europa einheitlich ausgebaut werden. Dieser Score hätte also viele Vorteile. Frau Klöckner (Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz) möchte für Deutschland stattdessen ein eigenes Modell entwickeln. Ein Nachteil eines eigenen Systems wäre die mehrjährige Entwicklungsphase. Inzwischen wurde bereits ein eigenes System für Deutschland vorgestellt. Dieses scheint auf den ersten Blick nicht unbedingt verständlich: keine farbliche Kennzeichnung, in 4 Wochen entwickelt und nur mit Fußnoten verständlich. Wie geht es jetzt weiter?

Frau Bitzer machte in ihrem Vortrag deutlich, dass jeder Fortschritt in der Verhältnisprävention mühsam erstritten werden muss und viel Zeit benötigt. Wobei die wissenschaftlichen Erkenntnisse einen geringen Einfluss auszumachen scheinen.

Corinna Wessel

Distress und Depression – Wer ist betroffen und welche Folgen und Möglichkeiten ergeben sich für die Zukunft?

Die Psyche spielt eine große Rolle in der Entwicklung des Diabetes und auch in der Entwicklung von Folgeerkrankungen bei Menschen mit diagnostiziertem Diabetes. Insbesondere das Vorliegen einer manifesten Depression und diabetesbezogenen Belastungen, die mit dem chronischen Krankheitsverlauf einhergehen (Diabetes Distress) stellen Risikofaktoren für Komplikationen und früheres Versterben dar.

Eine Auswertung der prospektiven Heinz-Nixdorf-Recall-Studie mit 10-jahres Follow-up zeigte ein erhöhtes Chancenverhältnis (Odds Ratio) für Depression bei Menschen mit bekanntem Diabetes gegenüber Menschen ohne Diabetes – jedoch schloss das Konfidenzintervall die 1 („Nulleffekt“) ein und erreichte somit keine statistische Signifikanz. Bei Männern mit Diabetes war das Chancenverhältnis für Depression gegenüber Frauen erhöht – Gründe hierfür bedürfen weiterer Forschung.

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Alltag im Ausnahmezustand – Auswirkungen des Typ-1-Diabetes auf Familien und Perspektiven in der Betreuung von Kindern und Jugendlichen mit Diabetes mellitus

In unserer modernen, von Wissenschaft und vornehmlich rationalen Entscheidungen geprägten Welt ist es Standard, nichts mehr dem Zufall zu überlassen. In vielen Kreisen ist es en vogue vor der Schwangerschaft durch einen der vielen online Anbieter mittels Speichelprobe eine Genomanalyse durchzuführen. Diese versprechen mögliche Erbkrankheiten oder genetische Prämutationen, die den Nachwuchs betreffen könnten, aufzudecken. Junge Eltern wähnen sich so in trügerischer Sicherheit, wenn die Erkrankungsrisiken von Trisomie 21 oder Mukoviszidose in beruhigend niedrigen Wahrscheinlichkeiten auf Papier gebannt sind.

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Der Arzt als Auslaufmodell? Tim und DINA: eHealth im Alltag der Zukunft

Braucht es uns Ärzte in der Zukunft überhaupt noch? Oder sind uns digitale Algorithmen vielleicht doch überlegen? In seiner Eröffnungsrede des diesjährigen DDG Kongresses in Berlin präsentierte Professor Bertram Häussler vom IGES Institut einen möglichen Ausblick für das Gesundheitswesen im Jahr 2037 – und eins vorweg, künstliche Intelligenz wird diesem Szenario zufolge Ärzte nicht in die Bedeutungslosigkeit verdrängt haben und auch ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht wird weiterhin möglich sein. Weiterlesen

DDG-Symposium Diabetologie Task Force 2025: Telemedizin und Digitalisierung

Digital Diabetes: Kommentar

Das sich Technologie im letzten Jahrhundert immer mehr in unser Leben schleicht, beobachten manche mit Freude, manche mit Misstrauen, manche bemerken es gar nicht. Das es aber passiert, ist nicht zu leugnen und dabei stellt sich unmittelbar die Frage: Was bedeutet diese Entwicklung für den Patienten? Und was bedeutet sie für den Arzt? Weiterlesen

Symposium Diabetes und Straßenverkehr: Mit einem Bein im Gefängnis?

Von Marie-Teres Lauff und Daniel Pichler

Wie weit darf ein Arzt gehen, um einen Patienten vor sich und andere vor ihm zu schützen?

Wo fängt Pflicht an und wo macht man sich strafbar?

Diabetiker mit unerwarteten Hypoglykämien stellen ein Risiko für den Straßenverkehr und alle daran beteiligten Personen dar. Der Arzt ist in der Pflicht, den Patienten über seine Einschränkungen und deren Konsequenzen im Alltag aufzuklären und sie ihm verständlich zu machen, zudem — je nach Schweregrad – sollte der Patient auch überzeugt werden, keine aktive Rolle im Straßenverkehr mehr einzunehmen. Doch was passiert und sollte man tun, wenn der Patient keine Einsicht zeigt? Weiterlesen

Kommunikation ist Prävention: Medienpreise der DDG 2016

Forschung und Innovation sind wichtige Elemente in der Bekämpfung des Diabetes mellitus weltweit. Ohne Kommunikation finden aber selbst die größten Erfindungen kein Gehör. Neue Erkenntnisse über Ursachen, Folgen, Behandlungen und Prävention müssen an die Öffentlichkeit gelangen und bei politischen Entscheidungsträgern wie auch bei (potenziellen) Betroffenen ankommen. Dabei spielen die Medien eine wichtige Rolle: Sie bilden die Transferstelle zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Als Aufklärer platzieren sie Forschungsergebnisse in den Kontext, der die Lebenswelt des Patienten ausmacht. Dabei gilt es immer, die Gratwanderung zwischen verständlicher und fachlich korrekter Berichterstattung zu meistern. Weiterlesen