30 Jahre Forschung erbringen spannende Erkenntnisse zur Entstehung des Typ-1-Diabetes

Die Forschungsergebnisse der deutschen BABYDIAB (prospektive Geburtskohorte, >1600 Kinder von Eltern mit Typ-1-Diabetes (T1D)) sowie der internationalen TEDDY-Studie (Kinder mit genetischer Prädisposition oder mit einem Verwandten mit T1D, >8000 Teilnehmer) haben maßgeblich zu unserem Verständnis der T1D-Entstehung beigetragen. Einige dieser zentralen Erkenntnisse wurden durch Frau Prof. Ziegler (Helmholtz Zentrum München) vorgestellt:

Bei der Entstehung des T1D spielt die genetische Prädisposition eine entscheidende Rolle. Autoantikörper, die zu einer Zerstörung der ß-Zellen führen, entstehen bereits in den ersten Lebensjahren. Insbesondere Antikörper gegen Insulin treten gehäuft auf und gipfeln im frühen Kindesalter mit ca. 2 Jahren.
Neu ist das Landmark-Modell, welches das kumulative Risiko, Antikörper zu entwickeln, in Abhängigkeit vom Alter zeigt. Hier ein Beispiel: wenn ein Kind mit 3 Jahren noch keine Inselautoimmunität entwickelt hat, so halbiert sich das Risiko ca. alle 3,5 Jahre um 50%. Für die Gesprächsführung mit Betroffenen oder bei bekannter Prädisposition ein absoluter Gewinn!

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Ist wann wir essen wichtiger als was wir essen?

Wir alle haben schon mal gehört, dass wir eine innere Uhr (zirkadiane Uhr (Clock)) haben, die durch externe Reize, wie Licht, beeinflusst wird. Was der Einfluss der Ernährung betrifft, war bis jetzt unklar.

Im Rahmen des Stipendiatenprogramms des DDG-Kongresses hat PD Dr. Olga Ramich, Leiterin der Forschungsgruppe Molekulare Ernährungsmedizin (MEM) des Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rebrücke, die junge ÄrzteInnen und WissenschaftlerInnen mit ihrem Vortrag „Zirkadiane Aspekte in Diabetesforschung“ beeindruckt.

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Erfolgreiches Publizieren in der Wissenschaft

Zum Vortrag vom Vorsitzenden der AG Nachwuchs Dr. T. Laeger fanden sich viele Reisestipendiaten und Jungwissenschaftler ein. Verständlich, da dieses Thema viele betrifft und doch einige Tücken beinhaltet.

Nach einer kleinen Einführung wurde vor allem auf formale Kriterien wissenschaftlicher Artikel eingegangen – wie muss ein Paper aufgebaut sein? Was muss jeder einzelne Punkt beinhalten? Was genau versteht man unter einem Abstract? Wie muss eine wissenschaftliche Arbeit und ein Paper gegliedert werden?
Hier gab es, gerade für „Neue im Geschäft“, gute und interessante Tipps.

Dr. Laeger empfahl auch einige Referenzprogramme. Es folgte ein interaktiver Austausch zu Programmen zur Erstellung und Bearbeitung von Abbildungen – mit Empfehlungen zu kostenlosen Programmen, aber auch bis hin zu den teuersten.
Sein „Pro-Tipp“: so wenig Farbe wie möglich in Grafiken und Abbildungen verwenden. Es bieten sich Schwarz, Weiß und alle Grautöne an, wodurch man sich viel Geld beim Veröffentlichen des Papers sparen kann. Hier gilt also: Es muss nicht gut aussehen, sondern es sollte funktional und günstig gestaltet werden. Bei komplexen Schemata und Skizzen kann Farbe aber durchaus Sinn machen – wenn hierdurch ein Mehr an Übersicht gewonnen wird.

Und auch zum Thema Korrekturlesen wurden einige Programme empfohlen. Schlussendlich sollte aber doch noch einmal eine Person drüber lesen. Es bietet sich an den Artikel einem „native Speaker“ vorzulegen, da diese vor allem Grammatikfehler aufstöbern können.

Weiter ging es mit dem Thema „Cover Letter“ – also dem Anschreiben an den Editor – und der Umgang mit den Reviewern. Hier konnte Dr. Laeger mit eigenen Erfahrungen beitragen. Das positive Feedback verbunden mit konstruktiven Verbesserungsvorschlägen der Reviewer stand hier im Vordergrund. Es lohnt sich oft, deren Rat anzunehmen und so das Paper deutlich zu verbessern. Aber Vorsicht: Einige Reviewer lehnen Paper auch ohne Begründung ab. Oder sie verlangen unverhältnismäßige Zusatzuntersuchungen, die das Publizieren deutlich in die Länge ziehen können und die Kosten in die Höhe treiben würden, ohne dass es einen Mehrwert hätte.

Wichtig zu erwähnen ist, dass ein Paper immer nur bei einem Journal bzw. einem Herausgeber eingereicht werden darf. Es muss immer abgewartet werden, ob das jeweilige Journal einer Veröffentlichung zustimmt oder es ablehnt – erst nach einer Ablehnung darf das nächste Journal angeschrieben werden. Das Spiel fängt dann wieder von vorne an.

Der interaktive Vortrag von Dr. Laeger war spannend und für viele der erste Einblick in die Welt des Publizierens. Seine unaufgeregte Vortragsart und das Berichten von eigenen Erfahrungen bot für jeden neue Erkenntnisse, die beim eigenen Schreiben und Veröffentlichen hilfreich sein werden. Dafür ein großes Dankeschön und hoffentlich ein Wiedersehen bei der DDG-Herbsttagung.

Walter Ballot

Vollkorntage statt Insulinspritze

In Deutschland steigt die Anzahl der an Diabetes erkrankten Personen jedes Jahr drastisch an. Steigender Zuckerkonsum und wenig sportliche Tätigkeit der Bevölkerung tragen ihren Teil dazu bei. So sind in Deutschland derzeit ca. 6,5 Millionen Personen an Diabetes mellitus erkrankt. Neueste Studien zeigen, dass Vollkorntage eine effektive Therapie für Diabetiker darstellen und nachhaltig den Blutzucker senken können. Einen Einblick in diese spannenden neuen Erkenntnisse konnte uns am Donnerstag, den 30. Mai 2019 Frau A. Tornbek beim DDG-Kongress in Berlin geben.

Eine aktuelle Studie beobachtete ein Patientenkollektiv mit Diabetes mellitus, welches in ihrem Klinikaufenthalt 2 Tage nur Vollkornflocken als Nahrung erhielt. Pro Mahlzeit wurden 75g Vollkornflocken mit 50g Beeren und 50g Lauch oder alternativ mit 20g gehobelten Mandeln, sowie Kräutern, Zitronensaft, Süßstoff und Zimt zubereitet. Dabei wurden die Haferflocken nicht mit Milchprodukten, sondern nur mit Wasser oder Gemüsebrühe aufgekocht. Die Mahlzeit betrugen je 276 kcal und 3g Beta-Glukan. Ein voller Hafertag beinhaltete 10g Beta-Glucan und 22,5g Ballaststoffe. An einem eindrücklichen Beispiel beschrieb Frau Tornbek, dass Vollkorntage sogar den völligen Verzicht von Insulintherapie bedeuten können: z.B. wurde eine Patientin bei Krankenhausaufnahme mit Levemir abends 240 IE, einem Humalog mix 25 morgens 240 IE und zusätzlich dreimal täglich je 120 IE zu den Mahlzeiten therapiert. Das stellt eine tägliche Insulinmenge von 840 IE dar. Durch Einführung der Hafertage konnte man nach einer bestimmten Zeit bei der Patientin komplett auf die Insulintherapie verzichten. Hierbei war es wichtig, dass Vollkornflocken und nicht Light-Haferflocken verwendet wurden. Insgesamt konnte in der Studie gezeigt werden, dass Hafer den HbA1c-Wert reduziert, sowie den Nüchtern Blutzucker, den Pulsdruck sowie Cholesterin und LDL senkt.
Außerdem steht fest, dass min. 40g Vollkornprodukte pro Tag das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Bluthochdruck deutlich reduzieren (Lillioja et al. 2013). Dabei scheint Hafer das wirksamste Vollkornprodukt zur Cholesterinspiegelsenkung zu sein. Ergebnisse von 2 Harvard-Studien mit über 100.000 Teilnehmern zeigten, dass ein höherer Verzehr von Vollkornprodukten mit einer niedrigen Sterblichkeit und geringeren Herz-Kreislauf-Erkrankungen einhergeht (Wu et al. 2015). Der langfristige Haferproduktverzehr führt zudem zu einer Absenkung des Cholesterinspiegels (Thies et al. 2015). In Zukunft sollte man deshalb in Betracht ziehen, öfter Vollkorntage bei Patienten mit Diabetes mellitus einzuführen und die Insulindosis so gering wie möglich zu halten.

Annabel Hildebrandt

Neue Klassifizierungen des Typ-2-Diabetes und Prädiabetes – Der schnelle Weg in die Klinik?

Dass Typ-2-Diabetes, der frühere „Altersdiabetes“, nicht so simpel ist, wie am Anfang gedacht, ist sicherlich längst bekannt. Warum bekommen einige Menschen Diabetes und andere nicht, auch wenn sie augenscheinlich die gleichen Voraussetzungen haben? Diese Frage ist bisher ungeklärt und beschäftigt sowohl Wissenschaftler, als auch Ärzte. Durch neue technische Möglichkeiten ist bereits bekannt, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen.

Zusätzlich wurden kürzlich weitere Faktoren festgestellt, die in Kombination eine Rolle bei der Manifestation und dem Fortschreiten des Typ-2-Diabetes und seiner Begleiterkrankungen spielen können. So ermöglichen u.A. das Alter bei Diagnose des Diabetes und eine Schätzung der Insulinkapazität der Bauchspeicheldrüse nach Ahlqvist et al. [1] eine Klassifizierung in 5 Cluster des Typ-2-Diabetes. Diese Cluster erlauben nicht nur eine genauere Klassifizierung, sondern zeigen auch eine Tendenz bestimmter Typen zur Anfälligkeit für Nebenerkrankungen wie diabetische Nephropathie oder Retinopathie1.  

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Neue Antidiabetika: Aus Alt mach Neu

Erst vor kurzem wieder populär geworden durch die Serie „Game of Thrones“ bekommt der Mohn wieder volle Aufmerksamkeit. Auch im Vortrag von Herrn Prof. Dr. Lammert beim Diabetes Kongress 2019 in Berlin rückt der berühmte Mohnblumensaft wieder in den Vordergrund.

Damals bekannt als Mohnblumensaft (Milk of the poppy) wurden die darin enthaltenen Morphine bereits in der Jungsteinzeit als Schlafmittel eingesetzt und auch um Schmerzen zu lindern. Im Laufe der Zeit hat sich dieser Arzneistoff auch für viele weitere Anwendungsgebiete bewährt, wie Bluthochdruck oder als Zusatz in Hustensäften. Ebenfalls in Hustensäften zu finden ist heutzutage Dextromethorphan, ein synthetisch hergestelltes Morphin, das weniger eine Affinität zu Opioid-Rezeptoren besitzt als für NMDA-Rezeptoren. Nun haben Forscher der Arbeitsgruppe von Herrn Prof. Dr. Lammert herausgefunden, dass Dextromethorphan auch den Blutzuckerspiegel senkt. Sowohl bei Mäusen, als auch bei Patienten mit Typ-2-Diabetes (T2D) konnte nach Verabreichung des Wirkstoffs eine erhöhte Insulinproduktion in den Betazellen der Bauchspeicheldrüse festgestellt werden. Somit konnte in Langzeitstudien der Blutzuckerspiegel gesenkt und die Glukosetoleranz verbessert werden. Weiterhin soll dieser Arzneistoff den Zelltod der Betazellen vorbeugen und somit wie ein Schutzschild wirken.

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Werden Medikamente gegen Übergewicht bald Realität?

Eine Empfehlung für jeden Kongressbesucher: die Langerhans-Vorlesung im Rahmen der Preisverleihung der Paul-Langerhans-Medaille der Deutschen Diabetes Gesellschaft – in diesem Jahr verliehen an Matthias Tschöp.

Prof. Tschöp – seit 2018 wissenschaftlicher Geschäftsführer des Helmholtz Zentrums Münchens – erforscht unter anderem Poly-Agonisten als potenzielle Medikamente für Typ-2-Diabetes und so auch der Titel seiner Vorlesung: „Poly-Agonisten für Typ-2-Diabetes: Entdeckung, Mechanismen und klinische Wirksamkeit“.

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Von den Guten und den Bösen (Fettsäuren)

„Falsche Nomenklatur bedeutet falsche Regeln, evtl. sogar Erhöhung der Mortalität“ – eine Aussage von Prof. Dr. Clemens von Schacky, die man nicht direkt im Kopf hat, wenn man mit dem Einkaufswagen durch den Supermarkt schlendert und den Wocheneinkauf erledigt.
Schon eher leuchten bei vielen Leuten die Alarmglocken, wenn sie „Transfette“ hören. Ein Produkt, welches viel Transfettsäuren enthält, wird auf keinen Fall gekauft, da diese ja die schlechten Fettsäuren sind! Aber stimmt das überhaupt?

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Ein „diabetogenes“ Potpourri – als Stipendiat auf dem DDG in Berlin

Wohl wahr diabetogen war der Diabetes-Kongress Ende Mai 2019 in Berlin für uns Stipendiaten, und das in zweierlei Hinsicht. Üppig wurde aufgetischt und die hungrigen Bäuche der diabetologischen Nachwuchsgeneration mit mediterraner Vollkost bestens versorgt. Doch weitaus nahrhafter wurden die grauen Zellen verköstigt mit einem Potpourri an ausgewählten Vorträgen hochrangiger Wissenschaftler sowie Diabetologen aus Klinik und Praxis. Von der „Diabetesimpfung“ bis zu „Karrieremöglichkeiten in der Grundlagenforschung“ wurde das breite Spektrum der Diabetologie im speziell für den Nachwuchs gestalteten Stipendiatenprogramm abgebildet. So ließ nicht nur der Gang zum Buffet den Blutzuckerspiegel ansteigen, sondern viel mehr die körpereigenen Katecholamine, welche vor Spannung und Aufregung, ja Begeisterung über die neuen Erkenntnisse auf dem Gebiet der Diabetologie ausgeschüttet wurden.

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Diabetes – Unterschiede zwischen Mann und Frau

In der heutigen Zeit gibt es immer wieder Diskussionen über Gender im sozialen, kulturellen, politischen und biologischen Kontext. Über das richtige Maß dieses Gender-Mainstreamings lässt sich streiten. Wo das Geschlecht aber definitiv eine bis zu lebenswichtige Rolle spielt, ist die Medizin und stellvertretend dafür der Diabetes mellitus.

Schon bei der Diagnostik gibt es Unterschiede: Frauen weisen öfter eine gestörte Glukosetoleranz auf, sodass bei Ihnen nur ein oraler Glukose-Toleranz-Test bei möglicherweise unauffälligem HbA1c aussagekräftig ist.

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