Wenn der Patient selbst sein bester Behandler ist – Über den Umgang mit Loopern in der Praxis

Was tun, wenn der Patient Wege der Therapie beschreitet, die Ärzte nicht mitgehen können und dürfen? Wie mit Patienten umgehen, die selbst ihre besten Behandler zu sein scheinen? Die 13. Herbsttagung der DDG in Leipzig suchte Antworten auf diese realen Fragen von Ärzten und Patienten.

Eine Einladung zum Gespräch öffnet Türen und baut Mauern ab:
Mit der MinimedTM670G brachte das Unternehmen Medtronic im September 2019 die erste hybrid-closed-loop-Pumpe in Deutschland auf den Markt, die die Insulinabgabe abseits der Mahlzeiten und sportlicher Aktivität automatisch an den Bedarf anpasst.
Auf der anderen Seite wollen viele Patienten schon seit Jahren nicht auf den technologischen Fortschritt zur Optimierung der Therapie warten: #WeAreNotWaiting.
Unter diesem Slogan individualisieren und optimieren nach Schätzungen rund 500 – 1.000 „Looper“ in Deutschland ihre Diabetes-(Typ 1)-Therapie mit selbst konstruierten closed-loop-Systemen, wo Unternehmen, Gesetzgeber und Zulassungsstellen an ihre Grenzen geraten – und bewegen sich damit in einer rechtlichen Grauzone. Über den Umgang, die Behandlung und Beratung dieser „DIY-Patienten“ macht das von der DDG in Auftrag gegebene Gutachten vom 30.07.2018 Aussagen. Zur Herbsttagung stellte Dr. med. Henrike Hilbig die von vielen Loopern genutzte Open-Source-App AndroidAPS (APS: artificial pancreatic system) vor, mit denen Insulinpumpe, CGM und Smartphone/ Smartwatch zu einem geschlossenen System verknüpft werden. Während die FDA für das System MinimedTM670G lediglich einen unteren Grenzwert von 120mg/dl (6,7 mmol/l) zuließ – ein Wert, der z.B. für die Therapie von schwangeren Patientinnen zu hoch ist – können DIY-Systeme mit Grenzwerten von z.B. 90mg/dl (5 mmol/l) arbeiten.  

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Der besondere, seltene Fall

Diabetes mellitus ist eine vielschichtige Erkrankung und die Therapie erfordert eine individuelle Vorgehensweise. Noch schwieriger wird es, wenn die Symptome im Rahmen einer seltenen erblichen Erkrankung auftreten. Dann sind viel Aufmerksamkeit und Fingerspitzengefühl gefordert.

Eine Frau stellt sich in der Diabetes-Sprechstunde mit einer unter Chemotherapie bei Mammakarzinom entgleisten Stoffwechsellage vor. In der Vorgeschichte weist sie außerdem rezidivierende Pankreatitiden auf. Zudem lässt ihr Aussehen aufhorchen, ihre Extremitäten sind sportlich schlank mit auffallend hervortretenden Venen, während im Gesicht und am Hals vermehrt Fetteinlagerungen zu beobachten sind. Eine Einstellung des Diabetes gelingt und eine Zeit lang sucht die Patientin die Spezialsprechstunde nicht mehr auf.

Dann jedoch ersucht sie erneut ein Gespräch, dieses Mal allerdings für ihre jugendliche Tochter. Diese lag einige Tage stationär wegen Bauchbeschwerden, im Rahmen der Diagnostik wurden erhöhte Triglyceride festgestellt. Die darauffolgende Gewichtsabnahme führte zu einer leichten Besserung, wegen anhaltender Beschwerden und einem der Mutter ähnelnden äußeren Erscheinungsbild wünscht die Familie nun Abklärung. Im Gespräch stellt sich dann heraus, dass weitere fünf Familienmitglieder der Mutter ähnliche Symptome aufweisen. Spätestens in diesem Moment liegt eine genetische Ursache nahe und eine molekulargenetische Untersuchung bestätigt den Verdacht. Beide Frauen leiden an der familiären partiellen Lipodystrophie Typ 2 (Morbus Dunnigan). Die Erkrankung ist mit einer Prävalenz von 1:1.000.000 sehr selten und tritt im Jugend- bis frühen Erwachsenenalter zu Tage. Ursache ist eine autosomal-dominant erbliche Mutation des LMNA-Gens auf Chromosom 21. Morbus Dunnigan ist gekennzeichnet durch den Verlust subkutanen Fettgewebes ohne katabole Stoffwechsellage. Dadurch kommt es zu einem sofortigen Anstieg der Triglyceride und zu ektopen Fetteinlagerungen. Diese wiederum führen zu Steatose, Insulinresistenz und Diabetes mellitus, sowie polyzystischem Ovarsyndrom. Letzteres resultiert in Hirsutismus und Fertilitätsstörungen, was bei Kinderwunsch problematisch werden kann. Des Weiteren ist eine Acanthosis nigricans zu beobachten. Therapeutisch ist vor allem eine hypokalorische, ballaststoffreiche und zuckerarme Ernährung anzuraten und bei der generalisierten Lipodystrophie kann eine Leptinsubstitution hilfreich sein.

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Diabetes Herbsttagung 2019 beginnt

Seit 08:30 Uhr laufen die ersten Symposien und um 10:15 Uhr wird die Diabetes Herbsttagung offiziell eröffnet. Wir freuen uns auf spannende Vorträge, anregende Diskussionen und einen inspirierenden Austausch untereinander!

Die ersten Sonnenstrahlen zeigen sich über dem CCL und begrüßen die eintreffenden Tagungsteilnehmer.
Schnell die Tagungstasche mit allen Infos schnappen und auf geht`s in die ersten Veranstaltungen.

„Du bist, was du isst“ – Die Rolle der Epigenetik bei metabolischen Erkrankungen

Bezugnehmend auf: „Epigenetische Muster bei Typ-2-Diabetes“, A. Schürmann (Nuthetal), Diabetes Herbsttagung 2018

Darwin’s Evolutionstheorie ist uns allen ein Begriff – aber hatte er Recht? Heutzutage weiß man, dass unsere Gene durch Umwelteinflüsse, wie zum Beispiel unsere Ernährung, verändert werden können. Genauer gesagt, wird die Genexpression, also welche Gene aktiv bzw. inaktiv sind, durch epigenetische Mechanismen reguliert. Doch wodurch wird entschieden, ob ein Gen stillgelegt wird oder nicht? Damit beschäftigt sich das spannende Feld der Epigenetik. Weiterlesen

Ist Krebs leichter zu therapieren als Adipositas? Oder: Wie schaffen wir es, dass uns Haferbrei mesokortikal (wieder) ausreichend stimuliert?

Gibt es den „süchtigen Adipösen“? Existiert Fresssucht und wenn ja, wie können wir eine solche diagnostizieren und welche therapeutischen Besonderheiten gilt es zu beachten?

Im Symposium zur interdisziplinären Adipositastherapie wurde die spannende Frage diskutiert, ob der Suchtbegriff für psychoaktive Substanzen reserviert ist oder er auch auf die ins Belohnungssystem eingreifenden Nahrungsmittel ausgeweitet werden kann. Die Frage, ob es Menschen mit Adipositas gibt, bei denen eine Substanzabhängigkeit ursächlich für ihren metabolischen Zustand ist, kann nicht abschließend beantwortet werden. Hierbei wiederum ist unklar, ob nur eine Substanz der „Fresssucht“ zugrunde liegt oder eher von einer „refined highly palatable food use disorder“ ausgegangen werden sollte. Weiterlesen

„How fast does the Grim Reaper walk?“

Sarkopenie – oder wie der Kölner sagt: wenn et Jehacks verjon.

Ein Thema, dass nicht nur Geriater, Internisten und Orthopäden, sondern auch Sportwissenschaftler beschäftigt. Aber was kann man gegen das Verschwinden der Muskelmasse und der sich immer weiter verkürzenden Gehstrecke tun? „Die Therapie ist ganz klar: Sport!“ lautet die Antwort der Referentin Frau Professor Graf, welche mit ihrem verzückenden Humor und der ein oder anderen kölschen Redewendung den Saal zum Lachen brachte. Das Ziel soll nicht das Abnehmen an sich sein, sondern der Erhalt der Lebensqualität. Besonders bei älteren Menschen sollte nicht nur der Fokus auf dem Ausdauertraining liegen, sondern auch auf dem Krafttraining – natürlich in Maßen, zum Beispiel mit dem TheraBand. Doch wie steht es um die Gelenke? Sollte man nicht eine Überbeanspruchung verhindern? „Es ist das gut, was dem Patienten Spaß macht und was er mit seinem Körper umsetzten kann“, antwortete Frau Professor Graf auf diese Frage. Das Ziel sei es, die sportliche Betätigung über viele Jahre zu machen und das klappt nur mit Freude und Motivation. Da rücken auch mal die Gelenke in den Hintergrund.

Abschließend zeigte Sie einen Zeitungsartikel mit der Überschrift „Turne bis zur Urne“. Ja, lieber Sensenmann. Wenn unsere Patienten das befolgen, dann laufen sie dir alle davon.

DDG Medienpreise auf der Eröffnungsveranstaltung vergeben – Neu in diesem Jahr: Kategorie Online

Diabetes, die Diagnose und die Therapie so zu erklären, dass jede und jeder es versteht, das ist nicht so einfach. Journalistinnen und Journalisten, die sich mit Gesundheitsthemen wie Diabetes befassen, haben diese Leistung zu vollbringen und tragen damit auch eine große Verantwortung. Es wird viel geschrieben, gedreht, gesendet zur „Zuckerkrankheit“ – manches ist okay, manches so lala, anderes herausragend gut. Genau um letzteres geht es bei den jährlich vergebenen DDG Medienpreisen, die stets auf der Diabetes Herbsttagung vergeben werden. Bislang gab es drei Kategorien: Print, TV und Hörfunk. Neu dabei: Online – denn hier passiert immer mehr, was sich sehen lassen kann…
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„Zucker im ersten Dienst“

Wer kennt es nicht? Nach vielen Jahren Studium hat man endlich die Approbation in der Tasche, die erste Assistenzarztstelle erfolgreich angetreten und dann ist es so weit: der erste Nachtdienst! Aufregung. Bauchkribbeln. Ein kleines bisschen Angst. Was, wenn etwas Unerwartetes  passiert und ich nicht weiter weiß? Was, wenn ich als Arzt versage oder einen Fehler mache? Viele können sich an diese Gedanken und Gefühle  erinnern.

Um uns Klinikernachwuchs etwas die Sorge vor diabetologischen Notfallsituationen zu nehmen, stellte Prof. Seufert im Rahmen seines Workshops „Zucker im ersten Dienst“ verschiedene Fallbeispiele vor. Weiterlesen

Herausforderung Diabetes: Auch der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt

Mit der Diagnose Diabetes ändert sich vieles im Leben – vielen Betroffenen fällt es schwer, neue Verhaltensregeln umzusetzen. Eine Hilfestellung bieten Diabetiker-Schulungen. Welche Neuerungen wird es dabei in den nächsten Jahren geben? Professor Bernhard Kulzer zeigte in seinem Vortrag „Akzeptanz für Patienteninformation und Schulungsprogramme heute und in der Zukunft“ einige bedeutende Trends auf.

Die Diabetes-Schulung in Deutschland blickt auf eine in manchen Bereichen bis zu 50 Jahre alte Entwicklungsgeschichte zurück und stellt einen wichtigen Pfeiler der Diabetes-Therapie dar. Weiterlesen

Reisestipendiaten bloggen wieder für den DDG Blog

Auch in diesem Jahr hat die Deutsche Diabetes Gesellschaft anlässlich der Diabetes Herbsttagung wieder Reisestipendien an den diabetologischen Nachwuchs vergeben: Fast 40 Reisestipendiaten dürfen an dem Nachwuchsförderungsprogramm der DDG teilnehmen. Bewerben konnten sich Medizinstudenten, Psychologiestudenten mit diabetesbezogenem Schwerpunkt und Assistenzärzte bis 35 Jahre. Weiterlesen