Braunes Fettgewebe, der Fettstaubsauger?

Von Jomon Joy Pfeifer

Braunes Fettgewebe befindet sich bei Neugeborenen vor allem zwischen den Schulterblättern. Es dient der Wärmeproduktion (Thermogenese). Denn Neugeborene sind unter anderem aufgrund ihrer verhältnismäßig großen Körperoberfläche schnell von einer Auskühlung bedroht und profitieren somit von der thermogenetischen Eigenschaft dieses Gewebes.

Wie braune Fettzellen Wärme produzieren

Histologisch sind die Zellen des braunen Fettgewebes durch viele kleine intrazelluläre Fettropfen und durch die hohe Anzahl an Mitochondrien gekennzeichnet. Letzteres ist auch für die bräunliche Farbe der Fettzellen verantwortlich. Kälte induziert durch eine stressbedingte Aktivierung des Sympathikus eine Noradrenalinausschüttung. Dies führt zu einer Aktivierung des braunen Fettgewebes. Durch das im Mitochondrium lokalisierte „uncoupling protein 1“ (UCP1) wird über eine Entkopplung der Atmungskette die ATP-Bildung verhindert und stattdessen Wärme produziert. Im Rahmen dieses Prozesses werden vermehrt Triglyceride und Glukose aus dem Blut in die Fettzellen aufgenommen und metabolisiert.

Positronen-Emmisions-Tomographie (PET) Untersuchungen haben gezeigt, dass das bei Erwachsenen im Nackenbereich vorkommende braune Fettgewebe durch Kälte ebenfalls aktiviert werden kann.

Nicht nur auf Kälte antwortet unser Körper mit Wärmeproduktion

Alternative Aktivatoren sind unter anderem Stickstoffmonooxid und Adenosin. Stickstoffmonooxid initiiert hierbei eine intrazelluläre Kaskade, welche auch über eine Stimulation von Cyclischem Guanosinmonophosphat (cGMP) nicht nur das braune Fettgewebe aktiviert, sondern auch eine Umwandlung von weißem in braunes Fettgewebe ermöglicht.

Im Tiermodell konnte die durch eine Aktivierung des braunen Fettgewebes eingetretene Korrektur von Adipositas, Dyslipidämie und Hyperglykämie nachgewiesen werden.

Gegenstand aktueller pharmakologischer Forschung ist u.a. die Frage, inwieweit man diese Effekte zur Behandlung des Diabetes mellitus und der Adipositas beim Menschen nutzen kann. Hierfür sind große klinische Studien erforderlich. Man darf gespannt sein.

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