Bewegung – eine viel zu selten genommene „Super-Pille” mit breitem Wirkungsspektrum

Dass Bewegung gut ist, hat jeder von uns schon mehrmals gehört. Man könnte vermuten, dass wir uns dementsprechend mehr und lieber bewegen als es früher der Fall war. Doch die Daten, die Herr Prof. B. Kulzer in seinem Vortrag „Von Kopf bis Fuß – Wege zur Bewegung“ dargestellt hat, spiegeln genau das Gegenteil wider: 27,5 Prozent aller Erwachsenen weltweit sind körperlich inaktiv. Dies bedeutet, dass sie sich weniger als 150 Minuten moderat bzw. 75 Minuten intensiv pro Woche sportlich betätigen.

Die WHO (von der die oben genannten Empfehlungen zum zeitlichen Umfang der Aktivität stammen) hat sich vor 15 Jahren zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2025 die Zahl derer, die körperlich inaktiv sind, um 10 Prozent zu senken. Bisher ist es jedoch gelungen, den Inaktivitätslevel der Weltbevölkerung lediglich um 1 Prozent zu senken.
Erschreckend, oder?

Bei den Kindern und Jugendlichen sieht es nicht viel besser aus. Laut dem „Deutschen Kinder- und Jugendbericht 2020“ unterschreiten 80 Prozent der Heranwachsenden die Vorgabe der WHO, sich 60 Minuten pro Tag zu bewegen. Wenn dies schon in diesem Alter problematisch erscheint, dann ist der Weg zur Adipositas und ungesunder Lebensweise in den folgenden Lebensjahren offen und relativ einfach.

Was können wir also tun, um die Aktivität der Bevölkerung zu steigern?

Einer der ersten Schritte ist sicherlich die Aufklärung, und zwar auf verschiedener Art und Weise. Hier ist es sinnvoll, das breite Wirkungsspektrum der Bewegung darzustellen. Dieses umfasst nicht nur die Stärkung der physischen Gesundheitsressource (Fitness), sondern auch positive Auswirkungen auf die Psyche, u.a. die Stressreduktion (was insbesondere im Zusammenhang mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes wichtig ist). Außerdem hilft uns Bewegung, präventiv zu handeln. So kann beispielweise bei einem Typ-1 Diabetiker das Risiko des Auftretens eines kardiovaskulären Ereignisses deutlich gesenkt werden.

Für diejenigen unter uns, die gerne in Zahlen denken, seien ein paar beeindruckende Daten genannt: 5,9 Prozent aller Todesfälle in Deutschland sind auf Bewegungsmangel zurückzuführen. Oder noch anschaulicher (und relevanter in der jetzigen Zeit): Das relative Risiko, Typ-2-Diabetes zu bekommen, steigt pro Stunde Sitzen etwa um 1 Prozent. Übertragen auf die Home-Office-Realität bedeutet das, dass wir – ca. 7-8 Stunden vor unseren Computern sitzend – ohne Bewegung unser relative Risiko für die Erkrankung täglich um 7-8 Prozent steigern. Die Botschaft ist klar: Das müssen wir ausgleichen, indem wir aktiv bleiben und etwas Gutes für unsere Fitness tun.

Studien haben zudem gezeigt, dass auch bei guter Aufklärung der Patienten, weiterhin ein Umsetzungsproblem besteht. Hierbei gibt es verschiedene Möglichkeiten der Intervention, wobei die besten Ergebnisse ein Handeln direkt am Arbeitsplatz („multi-component-intervention“) erzielt haben.

Essentiell ist es ebenfalls, die Menschen zur Bewegung zu motivieren. Dies gelingt meistens besser, wenn wir als (zukünftige) Ärzte mit den Leistungsanbietern gut vernetzt sind, konkrete Empfehlungen aussprechen sowie diese Art der Bewegung fördern und weiter intensivieren, die der Patient vorher schon gerne umgesetzt hat.

Die Steigerung der körperlichen Aktivität ist also dringend notwendig und es gibt prinzipiell Möglichkeiten, dies zu erreichen. Dafür brauchen wir aber ein besseres Networking von Konzepten sowie Angeboten in Bezug auf sportliche Aktivität. Vor allem in der heutigen Situation der „Online-Lehre“, der digitalen Tagungen sowie Homeoffice-Arbeitsplatzen sollen wir möglichst viele Pausen nutzen, um die Zeit im Sitzen zu reduzieren.

Irena Drozd

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