Bariatrische Interventionen zur Eindämmung des „Diabetes-Tsunamis“?

Im Symposium zu Bariatrischer Chirurgie bei Patienten mit Typ-2-Diabetes mellitus präsentierte Professor Müller aus Heidelberg spannende neue Erkenntnisse. Die Bariatrische Chirugie wird in Deutschland bisher verglichen mit dem Ausland recht stiefmütterlich behandeltet.

Während sowohl die Anzahl der Adipösen als auch die Zahl der Typ-2-Diabetiker in Deutschland kontinuierlich steigen, zeigen konservative Maßnahmen zur Gewichtsregulation v. a. langfristig keine zufriedenstellenden Resultate. Besonders gemein ist hierbei der „Jojo“-Effekt: Während bei Gewichtsabnahme der Grundumsatz sinkt, steigt er bei einer erneuten Gewichtszunahme nicht wieder an, sodass eine überschießende Gewichtszunahme begünstigt wird. Von noch größerer Bedeutung ist die Tatsache, dass konservative Therapiekonzepte zu keiner Verbesserung der kardiovaskulären Mortalität führen – im Gegensatz zu bariatrischen Interventionen. Generell alle chirurgischen Verfahren führen im Langzeitverlauf zum Gewichtsverlust, diese Eingriffe senken auch die kardiovaskuläre Mortalität signifikant. Dies gilt sowohl allgemein, wie dies die wegweisende SOS-Studie darlegt, aber ganz besonders und noch deutlicher für Diabetiker, die also in Hinblick auf eine verlängerte Überlebenszeit ganz besonders profitieren. 

Die Interventionsindikationen BMI >35 kg/m2 + Begleiterkrankung sowie BMI >40 kg/m2 + ausbleibender Therapieerfolg der ausgereizten konservativen Therapie ebenso wie BMI > 40 kg/m2 sind gut nachvollziehbar und wenig überraschend. Professor Müller stellte nun jedoch auch neuere Ergebnisse vor, die bereits bei insulinpflichtigen Typ-2-Diabetikern mit BMI <35 g/m2 deutliche Verbesserungen der mikrovaskulären Komplikationen des Diabetes – besonders wurden hier die Nephro- und die Hepatopathie betont – zeigten. 

Diese Ergebnisse zusammen mit der generellen Feststellung eines Rückgangs bereits eingetretener mikrovaskulärer Begleiterkrankungen legen nahe die Indikationsstellung auszubauen. Dies gilt aber v.a. auch für das bewusste Einsetzen und das Zurückschrauben der Vorbehalte gegenüber den in Deutschland aktuell noch sehr zurückhaltend und eher nicht in adoleszenten Jahren angewandten bariatrischen Interventionen – fast unabhängig vom genau eingesetzten operativen Verfahren.

Karin Fröse

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