1 – 2 – Risiko

Oh man, noch 6 Tage und ich bin Arzt. Dann kann ich mich nach 2594 Tagen nicht mehr als armen Studenten bezeichnen. Naja, schlagartig mehr Geld habe ich dann auch nicht, aber immerhin einen Abschluss. Hoffentlich.

Ich bin gestresst, überlernt, habe meinen Tag-Nacht-Rhythmus verloren und meine Makroverteilung hat sich stark in Richtung Kohlenhydrate verschoben. Und jetzt so kurz vor dem dritten Staatsexamen sitze ich im Zug nach Leipzig, denke mir nur, warum gehe ich das Risiko ein und warum nutze ich die Zeit nicht zum Lernen?! Alle Freunde, die bereits Ärzte sind, haben mich beruhigt und meinten, es würde eh keiner durchfallen. Ich höre das zwar, aber es kommt nicht so richtig an.

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Einblicke in eine digitalisierte Praxis

Digitalisierung ist ein Thema, welches im medizinischen Bereich bei vielen Menschen mit ambivalenten Gefühlen verbunden ist. Während die einen große Chancen durch Zeitersparnis und neue Möglichkeiten sehen, befürchten die anderen, dass der Patientenkontakt darunter leiden könnte oder die Digitalisierung zu viele Ressourcen beansprucht. Im Vortrag „Wie digital kann eine Diabetespraxis sein? Eine virtuelle Hospitation“ hat Dr. Mesut Durmaz Einblicke in seine digitalisierte Praxis und den Nutzen verschiedener digitaler Anwendungen im Praxis-Alltag gegeben.

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CGM und Kongressverhalten

Meinen Blogbeitrag widme ich einem Thema abseits von streng durchgeplanten Vorträgen und kalkulierbaren Postersessions – nämlich dem Management meines Typ-1-Diabetes während des Kongresses, einer „Ausnahmesituation“ weit weg von Ernährungsplänen, Nährwerttabellen, Spritz-Ess-Abständen und kontrollierten KE/BE-Berechnungen.
Mit dabei – das Dexcom G6 CGM, mein Smartphone mit der kompatiblen Dexcom-App (zeigt die Blutzucker-Werte, die Trendpfeile und den Verlauf der letzen 24h an, wahlweise in mmol/l oder mg/dl) und die Polar M600 Smartwatch, auf der die Werte, die Trendpfeile sowie der Verlauf der letzen 3h einsehbar sind. Als Pumpe nutze ich die Medtronic 640G.

Gerade auf der Industrieausstellung ist die Versuchung natürlich groß –
diverses Obst bei Sanofi, Kekse bei xigduo, Limos und Frucht-Quark-Becher bei AstraZeneca, Obstsalat bei novo nordisk, Lindt-Kugeln bei Medtrum und so weiter…
(Der Stand der DDG ging mit gutem Beispiel voran und verteilte Tütchen mit Nüssen anstatt Gummibärtütchen.)
Hier geht leider nur eins: schätzen, schätzen, schätzen. Das Dexcom G6 besitze ich seit gerade mal 4, die App seit 3 und die Uhr seit 2 Tagen. Der Kongress bietet hierbei die ideale Gelegenheit, die Möglichkeiten und Trendberechnungen des CGMs und die unterschiedlichen Bolusvarianten der Insulinpumpe zu nutzen und auszuprobieren und das ganze System auf „Alltagstauglichkeit“ zu prüfen.

Somit bin ich eigentlich ganz gut durch den Kongress gekommen, aber die ein oder andere Höhe (und Tiefe) habe ich leider nicht vermeiden können. Allerdings bin ich davon überzeugt, dass es besser gelaufen ist als es ohne CGM der Fall gewesen wäre.

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Ein Tag in Gießen

Der BVMD (Vorsicht – Verwechslungsgefahr mit dem diabetologischen BVD (Niedergelassene Diabetologen) ist die „Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland“ und veranstaltet jedes Jahr einen Kongress für Medizinstudenten. Mit Vorträgen, Workshops, Networking und auch einer kleinen Messe mit Infoständen ist dieser gar nicht so verschieden vom Diabetes Kongress – nur einige Hausnummern kleiner und eben für Studenten und nicht für „fertige“ Ärzte und Wissenschaftler. 

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Zweieinhalb Mal um den Globus mit der neuen AG Diabetes und Angiologie

2019 besuchte ich in Leipzig meine nun schon 3. Herbsttagung der DDG, diesmal erfreulicherweise im Rahmen der Nachwuchsförderung als Stipendiatin.

Wie jedes Mal suchte ich mir aus besonderem beruflichem Interesse ein Symposium mit Schwerpunkt zum Fußsyndrom aus. So stellte sich zur Herbsttagung die noch junge Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Angiologie vor. Ihr Vorsitzender PD Rittig beschrieb kurz das Tätigkeitsspektrum der AG, welche neben der Nachwuchsförderung auch angiologische Aspekte in die Zertifizierung einfließen lassen und Sektorengrenzen überwinden möchte. Die weitere Versorgung von Patienten mit chronischen AVK-bedingten Wunden nach operativer/interventioneller Versorgung sollte verbessert werden. So handele es sich ambulant zumeist um ein Kapazitätsproblem und für die Kliniker sei es ein politisches Problem.

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Meine Reise aus der Grundlagenforschung… mitten ins Herz der Klinik

Die Herbsttagung 2019 war dank der DDG Nachwuchsförderung bereits die zweite Herbsttagung, die ich besuchen durfte. Auch im letzten Jahr in Wiesbaden war die Tagung für mich an vielen Stellen spannend und interessant, dieses Jahr hatte ich aber (vielleicht auch wegen meines umfangreicheren Hintergrundwissens) das Gefühl, die Vorträge, Studien und Diskussionen besser einordnen und verstehen zu können. 

Ich beschäftige mich als medizinische Doktorandin in der Grundlagenforschung über Spätkomplikationen des Diabetes alltäglich vielmehr mit spezifischen Themen über die diabetische Retinopathie. 

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Die Alpha-Zelle – endlich verständlich. Und warum sie heute und in Zukunft eine Rolle spielt.

Blogeintrag zum Vortrag von Prof. Dr. med Thomas Forst

Wenn es um den Diabetes geht, so fällt einem medizinisch bewanderten Menschen wohl zunächst die Betazelle ein. Sie ist ein essentieller Bestandteil der Langerhansschen Inseln des Pankreas und setzt das Insulin frei. Steigt der Blutzuckerspiegel, so steigt die Insulinfreisetzung, zumindest beim Gesunden. Beim Typ-1-Diabetiker fehlt diese Reaktion und beim Typ-2-Diabetiker wird aufgrund seiner Insulinresistenz mehr Insulin freigesetzt. Soweit nichts Neues. 

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Prävention – Vorbeugen ist besser als Heilen!

Wer kennt es nicht? Man steht im Supermarkt an der Kasse und trotz allem Vorsatz, aller Toleranz und Anerkennung auch der eigenen Schwächen:

Man guckt in andere Einkaufskörbe, was landet bei wem auf dem Band?

Und ob sich da nicht ein Zusammenhang finden lässt? Ich persönlich muss zugeben, dass ich bereits den einen oder anderen Mitbürger(in) auf besonders gesunde Konstellationen an der Kasse angesprochen habe. Und das, gerade wenn man selbst dann eben doch für die WG-Party einkauft… Hingegen viel häufiger ist traurigerweise das Beispiel der „Energy- und Chips-Kinder“. Aber auch wir mehr oder minder Erwachsenen verhalten uns in dieser Hinsicht teilweise verdammt furchtbar unserem eigenen Körper gegenüber. Und ich frage mich in diesen Momenten:

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Looping – was bitte ist das denn?

Eine der vielen Sachen, die man aus dem Studium nicht kennt: Looper, Loops, Looping. Das Wort Looper beschreibt Menschen, die mittels eines (closed-) Loops über ein Smartphone eine automatische Kopplung zwischen ihrem CGM -Gerät und der Insulinpumpe herstellen. Dadurch kommt es zur automatisch angepassten Insulinzufuhr basierend auf den vom Sensor gesendeten Werten. Im Idealfall wird der Blutzucker sehr strikt im Zielbereich gehalten.
Ich fand die Diskussion über Loopings in der Diabetestherapie besonders aufschlussreich. Nacheinander bringen ein Betroffener, ein Jurist, eine Diabetesberaterin und ein Arzt dem Zuhörer ihren Standpunkt näher.

Der Betroffene
Der Patient beschreibt recht eindrücklich, was es heißt, als 40 Jähriger seit 35 Jahren mit einem Typ 1 Diabetes zu leben: ca. 60000 Blutzuckermessungen (2000h), ca. 30000 Spritzen (1000h) und entsprechend ca. 7l Insulin. Er als Spezialist beim Thema IT-Sicherheit hat natürlich einen recht intuitiven Zugang zum Looping. Das zeigt sich auch an seinen HbA1c Werten: Mit Insulinpumpe eigentlich nie unter 7,5%, bei einem zusätzlichen CGM-Gerät ein munteres Rauf und Runter, sinkt der Wert erst nach dem Looping unter 6,5%. Auch seine Blutzuckerwerte können mit dem Closed Loop System sehr konstant gehalten werden.

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Wenn der Patient selbst sein bester Behandler ist – Über den Umgang mit Loopern in der Praxis

Was tun, wenn der Patient Wege der Therapie beschreitet, die Ärzte nicht mitgehen können und dürfen? Wie mit Patienten umgehen, die selbst ihre besten Behandler zu sein scheinen? Die 13. Herbsttagung der DDG in Leipzig suchte Antworten auf diese realen Fragen von Ärzten und Patienten.

Eine Einladung zum Gespräch öffnet Türen und baut Mauern ab:
Mit der MinimedTM670G brachte das Unternehmen Medtronic im September 2019 die erste hybrid-closed-loop-Pumpe in Deutschland auf den Markt, die die Insulinabgabe abseits der Mahlzeiten und sportlicher Aktivität automatisch an den Bedarf anpasst.
Auf der anderen Seite wollen viele Patienten schon seit Jahren nicht auf den technologischen Fortschritt zur Optimierung der Therapie warten: #WeAreNotWaiting.
Unter diesem Slogan individualisieren und optimieren nach Schätzungen rund 500 – 1.000 „Looper“ in Deutschland ihre Diabetes-(Typ 1)-Therapie mit selbst konstruierten closed-loop-Systemen, wo Unternehmen, Gesetzgeber und Zulassungsstellen an ihre Grenzen geraten – und bewegen sich damit in einer rechtlichen Grauzone. Über den Umgang, die Behandlung und Beratung dieser „DIY-Patienten“ macht das von der DDG in Auftrag gegebene Gutachten vom 30.07.2018 Aussagen. Zur Herbsttagung stellte Dr. med. Henrike Hilbig die von vielen Loopern genutzte Open-Source-App AndroidAPS (APS: artificial pancreatic system) vor, mit denen Insulinpumpe, CGM und Smartphone/ Smartwatch zu einem geschlossenen System verknüpft werden. Während die FDA für das System MinimedTM670G lediglich einen unteren Grenzwert von 120mg/dl (6,7 mmol/l) zuließ – ein Wert, der z.B. für die Therapie von schwangeren Patientinnen zu hoch ist – können DIY-Systeme mit Grenzwerten von z.B. 90mg/dl (5 mmol/l) arbeiten.  

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