Aus der Konstruktionsabteilung Mensch

Diabetes bei Kindern und Jugendlichen ist für mich in vieler Hinsicht ein spannendes und vielseitiges Thema: Besondere psychologische Gegebenheiten erfordern eine individuelle und vor allem aufmerksame Betreuung und Begleitung. Was genau sollte man aber im Hinterkopf behalten? Einen Überblick über die neurobiologische Entwicklung gab heute früh M. Meusers.

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Ein wichtiger Begriff in diesem Zusammenhang ist die Adoleszenz. Sie beschreibt die seelische Reifung, die etwa ab dem elften Lebensjahr beginnt und bei Frauen mit 23,5 Jahren, bei Männern mit circa 25 Jahren abgeschlossen ist. Sie beschreibt all das, was man im Volksmund gerne als „Pubertät“ beschreibt: emotionales, affektives Verhalten, Stimmungsschwankungen, irrationale Entscheidungen treffen, Trotz, sicher fallen Ihnen hier viele Beispiele aus eigener Erfahrung ein.

Die Pubertät an sich beschreibt aber eigentlich nur die körperliche Veränderung hin zur sexuellen Reife; bis auf dass die Hormone hierfür im Hypothalamus ausgeschüttet werden, spielt das Gehirn eher eine untergordnete Rolle.

Adoleszenz hingegen beschreibt den Prozess, in dem Kinder, dann Jugendliche, später Erwachsene verschiedene Aufgaben bewältigen, zum Beispiel ihr eigenes, selbstbewusstes Rollenbild in der Gesellschaft, unter Freunden und in der Familie zu finden oder konkrete Vorstellungen über das eigene Leben und die Berufswahl zu entwickeln.

Das sind wichtige Entscheidungen, und für das „psychologische Kuddelmuddel“, wie es für Außenstehende manchmal wirkt, gibt es biologische Gründe: Während der Adoleszenz wird das Gehirn neu myelinisiert. Die Myelinisierung bewirkt eine schnellere und bessere Leitung der Informationen in diesen Nervenzellen. Auf eine gewisse Weise passiert das auch strukturiert. Nur, dass man das nach außen hin eben nicht unbedingt merkt. Es beginnt am Okzipitallappen, zunächst wird also das Sehen optimiert, und arbeitet sich dann langsam über die Jahre von hinten unten nach vorne. Zuletzt wird also das Frontalhirn myelinisiert. Das braucht man zur Beurteilung und Bewertung komplexer Sachverhalte, zur Selbstbeherrschung, um Situationen angemessen einzuschätzen, zum moralischen Urteilen und zur Kontrolle von Emotionen. Auch Jugendliche sind also nicht in allen Punkten „kleine Erwachsene“. Dies sollte bei Gesprächen und gemeinsamen Zielformulierungen in der Therapie bedacht werden. Oder wie Herr Meusers es sagt: “ Wenn man einen Jugendlichen fragt, warum er dieses oder jenes nicht tue, und er antwortet: ‚Ich weiß es nicht‘, dann hat er Recht“, denn Handlungen auszuführen (oder eben nicht) geht in manchen Entwicklungsstufen einfach schneller, als dieses Verhalten zu reflektieren und zu bewerten.

Zum Abschluss gab Herr Meusers uns noch einen guten Rat: Im Zweifel immer das Richtige tun.

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