Nur Babyspeck? Dreijährige mit Typ-2-Diabetes diagnostiziert

Von Tobias Baumgartner

Vor zwei Wochen fand in der schwedischen Hauptstadt Stockholm der Europäischen Diabeteskongress statt. Neben vielen interessanten Vorträgen und spannenden Neuvorstellungen wurde dort auch ein Fall präsentiert, der einen traurigen Rekord darstellt und einiges an Medienecho erfahren hat: Der jüngste Mensch mit Typ-2-Diabetes.

Michael Yafi arbeitet als Pädiater und Endokrinologe an der Universität von Texas in Houston. Bei seinen jungen Patienten trifft er vorrangig auf Diabetes Typ 1. In Stockholm berichtete er nun von einem dreijährigen Mädchen, dass mit massivem Übergewicht in seine Praxis kam: Obwohl das Mädchen mit normalem Geburtsgewicht auf die Welt kam, wog sie zum Zeitpunkt der Vorstellung 35 Kilogramm. Sowohl bezüglich BMI als auch Größe gehörte es damit zu den oberen 5 Prozent seiner Altersklasse.

Wie konnte es so weit kommen? Im Gespräch mit den Eltern erhärtet sich der traurige Verdacht: Das Kind wurde schlicht völlig falsch ernährt – die täglichen Mahlzeiten waren hochkalorisch und Fette machten einen ganz wesentlichen Nahrungsbestandteil aus. In der Kombination mit den Laborbefunden diagnostizierte Yafi schließlich Diabetes Typ 2.

Der Fall von Michael Yafi zeigt, das Babyspeck in diesem Ausmaß dramatische Folgen haben kann. Was dann geschah, zeigt aber auch, welche Erfolge sich mit Medikamenten und einer konsequenten Lebensstil-Intervention erreichen lassen. Die kleine Patientin bekam Metformin. Außerdem wurden ihr eine strenge Ernährungsumstellung und Bewegung verordnet. Das Ergebnis zeigte sich schon bald – die Blutzucker-Werte normalisierten sich, bis das Mädchen schließlich als nicht-diabetisch eingestuft werden konnte.

Dieser Fall stellt für mich vor allem eine Mahnung dar – laut Schätzungen der UNO haben 800 Millionen Menschen deutlich zu wenig zu essen und müssen hungern. Auf der anderen Seite gibt es Bereiche in der Welt, in denen Nahrung in einem enormen Überfluss konsumiert wird. Die Konsequenzen sind furchtbar – die Inzidenz von Typ-2-Diabetes, der in der Öffentlichkeit ja gerne als ,,Altersdiabetes“ bezeichnet wird, steigt bei immer jüngeren Patienten. Die Ärzte sollten auf diese Entwicklung vorbereitet sein – Prävention und Ernährungsmedizin werden die Komponenten sein, die in der Zukunft noch viel mehr fokussiert werden müssen. An diesem Fall hat sich aber auch gezeigt, dass effektives Screening und frühe Behandlung entscheidend sind und der Typ-2-Diabetes bekämpft werden kann.

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