Adipositastherapie: Welche Therapiestrategie für welchen Patienten?

Adipositas ist ein globales Problem und mit zahlreichen Erkrankungen assoziiert. In der Klinik spielt die Bestimmnug des BMI zur Einschätzung des Erkrankungsgrades immer noch eine große Rolle. Doch was sagt dieser Wert eigentlich aus und sind Menschen mit einem erhöhten BMI generell krank? Über diese Fragen hat Dr. Sharma in einem spannenden Vortrag nachdedacht.sharma-edmonton-obesity-staging-system

Adipositas ist nicht gleich Adipositas

Adipositas ist eine heterogene Erkrankung, welche erst vor kurzem von der Canadian Medical Association als chronische Erkrankung anerkannt wurde. Es ist also auch die Aufgabe der Ärzte Patienten, wie bei allen anderen Krankheiten auch, eine Therapiemöglichkeit anzubieten und zusammen mit den Patieten an der Erkrankung zu arbeiten. Doch nicht jedes Übergewicht scheint therapiewürdig zu sein. Es gibt bereits verschiedene Möglichkeiten Adipositas einzuteilen, neben der Verteilung des Fettes im Körper, spielen auch die Größe der Fettzellen oder das Geschlecht der adipösen Person eine Rolle.

Was sagt uns der BMI?

Der Body Mass Index berechnet anhand von Größe und Gewicht einer Person einen Wert, welcher uns sagen soll, ob jemand Über -oder Untergewicht hat. Je höher dieser Wert ist, desto kranker ist die Person. Dieser scheinbare Zusammenhang wird von Dr. Sharma wiederlegt. Er sieht im BMI keinen hilfreichen Wert für die Klinik und führt zahlreiche Studien an, welche keine Zusammenhang zwischen BMI und kardiovaskulärem Risiko sehen. Außerdem zeigte er, dass der BMI keine Aussage über den Körperfettabteil liefert. Ein Mann mit einem BMI von 30 kann also einen Körperfettanteil von 10 Prozent oder von 60 Prozent haben, ein großer Unterschied für die Praxis, durch den BMI aber nicht ersichtlich.

Edmontan obesity staging system (EOSS)

Dr. Sharma stellte ein neues tool zur Adipositasdiagnostik vor, das Edmontan obesity staging system. Dabei werden medizinische, mentale und funktionale Probleme eines Patienten betrachtet und in die Gruppen 0-4 eingeteilt. Es geht also darum, wie es einem Patienten geht, ob er gesund oder krank ist. Auch ein stark übergewichtiger Patient hat eine normale Lebenserwartung, wenn er gesund ist. Das Übergewicht an sich, sagt nichts über den Gesundheitszustand eines Patienten aus. Davon abgeleitet ist auch eine Therapie von gesunden aber übergewichtigen Patienten nicht sinnvoll. Dies gilt sogar bei Patienten mit einem BMI von über 40.

EOSS stellt ein tolles Werkzeug zur Beurteilung der Notwendigkeit einer Adipositastherapie da und zeigt, wie wichtig es ist Adipositas als eine individuelle, heterogene Erkrankung zu sehen, welche durch mehr Faktoren zu beleuchten ist, als nur Größe und Gewicht eines Menschen.

Ein Gedanke zu “Adipositastherapie: Welche Therapiestrategie für welchen Patienten?

  1. Ein toller Beitrag. Ich persönlich finde den BMI Wert auch etwas überbewertet. Schließlich wird, wie im Beitrag erwähnt, die Muskelmasse nicht mit einberechnet. Dann wären ja, laut BMI, viele Kraftsportler adipös. Die zweite Diagnostik finde ich detaillierter und aufschlussreicher. Dennoch ist der BMI ein grober, guter und schneller Richtwert, falls man überhaupt keinen Sport treibt und sich nur moderat bewegt. Dann kann man schnell berechnen, wie ernst die Lage auf den ersten Blick ist.

    Gruß

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