Mein DDG-Kongress und die Patienten-Präferenzen in ihrer Diabetes-Therapie

Im Mai dieses Jahres durfte ich bereits zum 2. Mal als Reisestipendiatin an der jährlichen Tagung der DDG in Berlin teilnehmen. Traditionell steht der Gruppe der StipendiatInnen bei der DDG-Jahrestagung ein vielfältiges, eigens zusammengestelltes Programm zur Verfügung, welches das restliche Kongressprogramm ergänzt.

Zunächst galt es, neben dem Zeitplan des Stipendiatenprogramms die eigenen Interessensschwerpunkte zu definieren und dann im breiten Angebot an Beiträgen zu verfolgen. Meine Schwerpunktsetzung gründete sich dabei auf zweierlei:
Zum einen beschäftige ich mich als Doktorandin mit bariatrischer Chirurgie und deren Auswirkung auf Folge- und Begleiterkrankungen, insbesondere mit Blick auf die postoperative Lebensqualität; zum anderen habe ich in den letzten Monaten einen Teil meines Praktischen Jahres in einer allgemeinmedizinischen Praxis verbracht, deren Schwerpunkt neben der hausärztlichen Versorgung auch auf der Betreuung von DiabetespatientInnen liegt.

Vor diesem Hintergrund interessierten mich v.a. Beiträge, die den Stellenwert und die Anwendung verschiedener Medikamente in der breiten Praxis beleuchteten sowie die bestmögliche Patientenschulung und -motivation zum Thema hatten. Einen Programmpunkt, der mich im Hinblick auf den Faktor „Lebensqualität“ als wichtige Maßgabe für Therapieentscheidungen und auch mit der ambulanten diabetologischen Versorgung im „Hinterkopf“ sehr interessiert hat, möchte ich kurz vorstellen.

Es handelte sich dabei um einen Vortrag, der sich mit den „Präferenzen der Patienten bezüglich ihrer Diabetes-Therapie“ beschäftigte. Aus der Mitarbeit in der diabetologischen Schwerpunktpraxis ist mir in diesem Zusammenhang v.a. die recht hohe Skepsis vieler PatientInnen gegenüber zu injizierenden Medikamenten in Erinnerung geblieben – gleichzeitig ist deren Verordnung im Krankheitsverlauf häufig unumgänglich. Als MedizinerInnen bewerten wir Medikamente, Operationen und andere Therapieoptionen unter Bezugnahme auf deren in Studien belegte Wirksamkeit. Wir beurteilen den Therapieaufwand und zu erwartenden Nutzen, um evidenzbasiert zu einer Entscheidung zu kommen. Klar ist jedoch auch, dass der statistische, letztlich studienbasierte Nutzen einer Therapiestrategie nicht immer exakt auf die individuellen PatientInnen übertragbar ist. Deren Mitarbeit und Unterstützung ist jedoch unerlässlich, sodass mir die Präferenz der Patienten als wichtiger Anteil der Therapieentscheidung erscheint.
Wird diese von vornherein miteinbezogen, können unter Umständen therapeutische Umwege vermieden werden. Im Vortrag wurden der Aufbau und Ablauf einer wissenschaftlichen Erfassung der Patientenpräferenz gezeigt. Weiterhin wurden verschiedene Aspekte der Therapie mit Diabetologika je nach aktueller Medikation durch das Studienkollektivs bewertet, etwa die Angst vor Unterzuckerungen und die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Zusammenfassend ergab sich eine Analyse der Faktoren, die die untersuchte Patientengruppe als besonders wichtig für ihre Diabetestherapie erachtet. Auch wenn sich die verschriebene Medikation nicht einzig daran orientieren kann, was das Kollektiv der PatientInnen präferiert, so lässt sich hier doch schwerpunktmäßiger Beratungsbedarf ableiten.

Insgesamt war der Kongressbesuch in Berlin für mich eine motivierende Erfahrung, die mir im Rahmen des Reisestipendiums ermöglicht wurde. Neben allen wissenschaftlichen Highlights schätze ich daran insbesondere die Möglichkeit, sich mit anderen Studierenden auszutauschen und zu vernetzen. Positiv hervorheben möchte ich hier die DDG Night, die, wie auch schon beim letzten Mal, einen ungezwungenen Rahmen dafür bot und mit viel Liebe zum Detail gestaltet war.

Anna Fobbe

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