Empagliflozin als Leberfettsenker – Ergebnisse aus einer RCT

Bis zu 75% aller Typ-2-Diabetiker haben gleichzeitig eine Nicht alkoholische Fettlebererkrankung. In den meisten FĂ€llen liegt eine Steatosis hepatis vor. Auf dem Boden eines chronischen EntzĂŒndungsprozesses kann diese jedoch im Verlauf zu einer Nicht-alkoholischen Steatohepatitis, spĂ€ter zu einer Fibrose bis hin zu einer Zirrhose fĂŒhren. Obwohl eine weit verbreitete KomorbiditĂ€t bei Typ-2-Diabetes und mit entsprechenden Komplikationen assoziiert, gibt es aktuell keine pharmakologische Therapie der Fettleber.

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Das Insulinom – der lange Weg von der Praxis zur Theorie und zurĂŒck in die Klinik

Das Insulinom, der hĂ€ufigste endokrine Pankreas-(B-Zell-)Tumor, produziert in 50% der FĂ€lle nur Insulin, in den ĂŒbrigen FĂ€llen produziert es auch andere gastrointestinale Hormone.
Im Rahmen der Postersession am 30.05. ‘‘Stoffwechselentgleisungen‘‘ stellte Frau Dauben (Deutsche Diabetes Zentrum DĂŒsseldorf) das Thema ‘‘Vergleich der diagnostischen PrĂ€zision der aktuellen Leitlinien zur Diagnose eines Insulinoms‘‘ vor. Hier verglich sie die Leitlinien zur Diagnose eines Insulinoms auf die SensitivitĂ€t und SpezifitĂ€t im Rahmen des 72-Stunden-Hungertests – mit dem Fokus auf die Blutglukose- und Insulin-Werte.
Dabei wurden die Leitlinien der US-amerikanischen Endocrine Society (ES), der europĂ€ischen (European Neuroendocrine Tumor Society; ENETS) und der nordamerikanischen (North American Neuroendocrine Tumor Society; NANETS) Gesellschaft miteinander verglichen. WĂ€hrend die Kriterien der ES eine höhere diagnostische SensitivitĂ€t bei einer geringeren SpezifitĂ€t fĂŒr die Diagnose eines Insulinoms erzielten, zeigte sich bei den Kriterien der ENETS und NANETS eine höhere diagnostische SpezifitĂ€t bei niedrigerer SensitivitĂ€t. Diese Ergebnisse sollten bei der Anwendung der verschiedenen Diagnosekriterien in der klinischen Routine beachtet werden.

YK

Schlau, schlank und gesund durch den richtigen Schlaf?

„Ausreichend körperliche AktivitĂ€t“ postulieren die einen, „der richtige Schlaf“, sagen die anderen, sei der SchlĂŒssel zu einem gesunden Glukose- und Insulinstoffwechsel. Soll das Konzept „Schlank im Schlaf“, auf dessen Suchanfrage Google eine unĂŒberschaubare Flut von 8.050.000 EintrĂ€gen liefert, also doch funktionieren?
Wie mit der Dauer und QualitĂ€t des Schlafs sowie der Nahrungsaufnahme zur richtigen Uhrzeit die Glukosehomöostase aufrecht erhalten wird, erklĂ€rten Prof Dr. Reinke und Prof. Dr. Schmid in ihren VortrĂ€gen zur Relevanz zirkadianer Rhythmen fĂŒr den Leberstoffwechsel sowie zur Chronobiologie und dem Energiestoffwechsel.

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„Inflammaging“ – Was darf auf die Einkaufsliste?

Die Kombination aus EntzĂŒndung und Alterung bringt einige pathologische Prozesse mit sich. So liegt beim Inflammaging eine metabolische EntzĂŒndung im viszeralen, als auch im subkutanen Fettgewebe vor. Gleichzeitig kann es zu arteriosklerotischen VerĂ€nderungen sowie zu einer NASH, also auch zu einer Insulinresistenz im Gehirn kommen. Risikogruppen sind hierbei Menschen mit Adipositas oder Diabetes, Raucher, jĂŒngere MĂ€nner und Ă€ltere Frauen.

Jetzt stellt sich die Frage, was diese Risikogruppen alleine mit ihrer ErnĂ€hrungsweise bewirken können, um das entzĂŒndliche Geschehen in ihrem Körper einzudĂ€mmen. Man hört immer wieder von der allseits gelobten mediterranen ErnĂ€hrung mit dem Trend zu moderatem Fleischkonsum und einem mehr an Obst-und GemĂŒse. Auch in diesem Fall können die dafĂŒr typischen Lebensmittel, wie NĂŒsse, Olivenöl und auch die Ω3-FettsĂ€uren das CRP und IL-6 senken. Obwohl Ω6-FettsĂ€uren zu einer Steigerung des CRP fĂŒhren können, sollten sie trotzdem in gesundem VerhĂ€ltnis zu den Ω3-FettsĂ€uren aufgenommen werden. Im Gegenzug dazu schneidet in Untersuchungen die „High-fat diet“ (oder auch „Western diet“ genannt) eher schlecht ab. Ein Überschuss an gesĂ€ttigten FettsĂ€uren kann das Inflammaging vorantreiben. Menschen mit Inflammaging dĂŒrfen sich aber freuen zu hören, dass Kaffeekonsum die EntzĂŒndung ebenfalls positiv beeinflussen kann. Auch Supplemente, wie Vitamin D/E, Mineralstoffe, als auch sekundĂ€re Pflanzenstoffe, wie Resveratrol, Quercetin und Curcuminoide zeigen in Studien ihre positiven Effekte.

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Von Entscheidungen und kurzen Hosen

Wer kennt es nicht: man hat mehrere Optionen und möchte am liebsten alles gleichzeitig machen, doch eine Entscheidung muss getroffen werden. So ging es einst Dr. Ijad Madisch, dem GrĂŒnder der Plattform ResearchGate. GegrĂŒndet in einem winzigen KellerbĂŒro in Hannover, parallel zu seiner TĂ€tigkeit als Assistenzarzt in der Gastroenterologie der Medizinischen Hochschule Hannover. Seine Intention: „Obwohl wir so viel machen als Forscher, wird so wenig davon gezeigt.“ Und so kam es, dass er sich nach einem GesprĂ€ch mit seinem Chef Prof. Manns mutig zur spontanen KĂŒndigung entschloss und sich ganz seiner FirmengrĂŒndung widmete. Mit finanzieller UnterstĂŒtzung durch Studiumersparnisse von Squash-Kollegen, mit Wissens-UnterstĂŒtzung von einem Computerfreak, Internet-Zocker und Freund aus Kindertagen und guten Freunden, die an seine Idee glaubten, baute er sein Unternehmen aus. Business-PlĂ€ne wurden erstellt, bewusst unvorbereitete Meetings mit Investoren gefĂŒhrt, ein Treffen mit Bill Gates fand statt, die Kanzlerin zeigte ebenfalls Interesse, ein Foto mit adrett gekleideten Politikern und einem jungen Unternehmer in kurzen Hosen und Superman-Kappe ging um die Welt und ResearchGate wuchs. Heute ist es eine der grĂ¶ĂŸten Citationbanken der Welt und eine der bekanntesten Austauschplattformen fĂŒr Wissenschaftler, mit einem Chef, der wahres Herzblut in seine Arbeit steckt – wie so viele von uns. Und die Diabetologie? Madisch trĂ€umt von einer Sammlung der Diabetes-Daten, die alle zusammen fließen und einer kĂŒnstlichen Intelligenz, die die menschlich unmögliche Datenverarbeitung möglich macht. Madisch hat es mit Research Gate geschafft – warum sollten wir es nicht auch schaffen?!?! Mut zur Entscheidung und zu kurzen Hosen!

Mirjam Bassy

Mehr Kauen gegen den Klimawandel

In einer der e-PosterprĂ€sentationen zum Thema „Lifestyle und Psychosoziales“ tat sich mal ein ganz anderer Weg auf, die Hauptursache des Diabetes zu bekĂ€mpfen. In dem Poster ging es um ein intraorales Medizinprodukt, genauer eine Zahnschiene.

Wie die Vortragende, Frau A. Nowak dann genauer beschreibt, handelt es sich um eine Zahnschiene, die die Kau-FlĂ€che verkleinert. Die Probanden wurden gebeten die Zahnschiene vor jeder Mahlzeit einzusetzen. Als Folge wurde nicht nur lĂ€nger gekaut, sondern auch langsamer gegessen. Das SĂ€ttigungsgefĂŒhl hatte Zeit einzusetzen und es wurde generell weniger Nahrung aufgenommen.

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Der endlose Kreislauf des Gestationsdiabetes

H.Hauner: ÜbermĂ€ĂŸige Gewichtszunahme in der Schwangerschaft-Beudeutung bei Adipositas, Typ-1- und Typ-2-Diabetes

Ein wichtiges Thema beim diesjĂ€hrigen Diabetes Kongress war die korrekte Gewichtszunahme wĂ€hrend der Schwangerschaft, Gestationsdiabetes und die Frage, ob eine frĂŒhe Intervention schon wĂ€hrend der Schwangerschaft einen möglichen lebenslangen Nutzen fĂŒr Mutter und Kind hĂ€tte.

Um eine optimale Gewichtszunahme bei Schwangeren festzulegen, veröffentlichte das Institut fĂŒr Medizin (Institute of Medicine, IOM) 2009 Empfehlungen, die kategorisch auf dem prĂ€konzeptionellen Body-Mass-Index (BMI) in der Vorschwangerschaftszeit basieren.

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Mehr als nur eine Typfrage – ein Zwischenbericht auf dem Weg zur personalisierten Diabetesdiagnose

Dank eines Stipendiums der DDG kam ich im Rahmen des Diabetes Kongress 2019 in Berlin unter anderem auch in den Genuss vieler Symposien. Besonders interessant fand ich aus der Reihe “Neue Mechanismen fĂŒr PrĂ€vention und Therapie des Diabetes” den Vortrag von Dr. Henriette Kirchner von der UniversitĂ€t LĂŒbeck. Sie stellte neue Erkenntnisse aus ihrer und anderen Gruppen vor, mit denen sich Subtypen des Diabetes mellitus II anhand verschiedener Marker im Blut unterscheiden lassen könnten. Besondere Betrachtung fanden epigenetische Merkmale und miRNAs. Bei diesen konnte gezeigt werden, dass bestimmte Einzelwerte zusammengefasst einen Score ergaben, mit dem sich nicht nur die Manifestation eines Typ-2-Diabetes bei Erwachsenen vorhersagen ließ, sondern beispielsweise auch Aussagen darĂŒber getroffen werden konnten, wie insulinresistent ein Patient werden wĂŒrde. Denkbar wĂ€re demnach ein Vorsorge-Screening, das nicht nur RisikotrĂ€ger Jahre im voraus erkennt, sondern auch bei Auftreten einer Insulinresistenz eine genaue Charakterisierung erlaubt. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg. ZunĂ€chst besteht das Problem, dass verschiedene Studien kaum ĂŒbereinstimmende Marker vorschlagen. Zudem liegt der Anteil an falsch-positiven Vorhersagen aktuell noch bei ca. 40%. Auch wurden in der anschließenden Diskussion medizinische und volkswirtschaftliche Bedenken gegenĂŒber dem Screening geĂ€ußert. Durch weitere intensive Forschung und eine umfassendere Kombination von Markern zu Scores sollte allerdings zu erwarten sein, dass sich in den kommenden Jahren viel tun wird auf dem Weg zur frĂŒhzeitigen und personalisierten Diabetesdiagnose.

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Distress und Depression – Wer ist betroffen und welche Folgen und Möglichkeiten ergeben sich fĂŒr die Zukunft?

Die Psyche spielt eine große Rolle in der Entwicklung des Diabetes und auch in der Entwicklung von Folgeerkrankungen bei Menschen mit diagnostiziertem Diabetes. Insbesondere das Vorliegen einer manifesten Depression und diabetesbezogenen Belastungen, die mit dem chronischen Krankheitsverlauf einhergehen (Diabetes Distress) stellen Risikofaktoren fĂŒr Komplikationen und frĂŒheres Versterben dar.

Eine Auswertung der prospektiven Heinz-Nixdorf-Recall-Studie mit 10-jahres Follow-up zeigte ein erhöhtes ChancenverhĂ€ltnis (Odds Ratio) fĂŒr Depression bei Menschen mit bekanntem Diabetes gegenĂŒber Menschen ohne Diabetes – jedoch schloss das Konfidenzintervall die 1 („Nulleffekt“) ein und erreichte somit keine statistische Signifikanz. Bei MĂ€nnern mit Diabetes war das ChancenverhĂ€ltnis fĂŒr Depression gegenĂŒber Frauen erhöht – GrĂŒnde hierfĂŒr bedĂŒrfen weiterer Forschung.

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Wird man Insulin jemals essen können?

FĂŒr fast jeden Diabetiker wĂ€re das sicher ein Traum: kein stĂ€ndiges Spritzen oder Katheter-Setzen, keine blauen Flecken, keine schmerzhaften und unschönen Spritzstellen mehr. Beim Symposium „Was gibt es Neues unter der Sonne“ spricht Dr. Tim Heise vom Profil Institut fĂŒr Stoffwechselforschung in seinem Vortrag ĂŒber den Stand der Dinge bei oralen Insulinen, welche die Forschung schon lange beschĂ€ftigen.

Doch auch heute stehen die Forscher noch vor den selben Problemen wie frĂŒher. Zum einen besitzt Insulin eine extrem niedrige BioverfĂŒgbarkeit, was bedeutet, dass ein großer Teil der eingenommenen Menge gar nicht erst im Kreislauf ankommt. Zum anderen ist aber genau diese vom Körper aufgenommene Menge nicht von konstanter GrĂ¶ĂŸe, sodass man nie voraussagen kann, wie viel letzten Endes wirklich im Organismus wirken kann. Dennoch gibt es hierfĂŒr gute ForschungsansĂ€tze: um das Problem der fraglichen BioverfĂŒgbarkeit zu ĂŒberwinden, nahmen sich Forscher wie so oft die Natur zum Vorbild. Angelehnt an einen Schildkrötenpanzer konstruierten sie eine Kapsel um die Insulin-MolekĂŒle, die zudem eine winzige Nadel enthĂ€lt, welche schmerzfrei an die Magenschleimhaut andockt, um das Insulin dort zu injizieren. In Tierversuchen ließen sich hierbei vergleichbare Effekte wie zur subcutanen Injektion erzielen. Trotzdem Ă€ußert sich Dr. Heise pessimistisch bezĂŒglich eines oralen Insulins, das in absehbarer Zeit auf den Markt kommen werde, da fraglich ist, ob beim Menschen dieselben Effekte wie bei Tieren eintreten.

Aber wer weiß, vielleicht können wir uns in ein paar Jahr(-zehnt)en ja wirklich auf eine Insulinpille als stetige Vorspeise freuen.

Hanna Gmehling