Ehrung mit genialer ErklÀrung!

Ich möchte ĂŒber eine Veranstaltung berichten, die eigentlich so ĂŒberhaupt nicht interessant klingt: Die Paul-Langerhans Vorlesung und Preisverleihung, ABER ich wurde wirklich ĂŒberrascht! Normalerweise denkt der lerneifrige Student: Ohje, jetzt muss ich mir auch noch eine Ehrung in meiner Mittagspause anhören, das kann ja schon nichts werden. Es wird bestimmt nur gelobt und geklatscht; noch mehr gelobt und noch mehr geklatscht….

Allerdings wurde mir in dieser Veranstaltung genau das Gegenteil gezeigt. Die Laudationes der Geehrten waren durchaus interessant und haben mir, als Medizinstudentin, die verschiedensten WerdegĂ€nge in unserem spĂ€teren Beruf vorgefĂŒhrt. Noch beeindruckender waren natĂŒrlich die Reden von Matthias H. Tschöp ( Paul-Langerhans-Medaille 2019) und Prof. Dr. Martin Heni (Ferdinand-Bertram-Preises 2019). Die neuen therapeutischen AnsĂ€tze von Ersterem aus MĂŒnchen ĂŒber Poly-Agonisten fĂŒr Typ-2-Diabetes fand ich super erklĂ€rt – die Entwicklung zu dem Punkt wo wir heute in der klinischen Wirksamkeit stehen wurde spannend dargestellt.

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Adipositas als Gehirnerkrankung?

Die fĂŒr mich wohl prĂ€gnanteste Aussage der Paul-Langerhans-Vorlesung war: „Adipositas als Gehirnerkrankung“. Hierbei war oft von einer Insulinresistenz im Gehirn der adipösen Menschen die Rede. Dies ist ein Zusammenhang, der mir als Medizinstudent im klinischen Abschnitt vorher nicht gelĂ€ufig war. Anscheinend ist die Lehre an den UniversitĂ€ten noch nicht an diesen Punkt gelangt.

Die PreistrĂ€ger des diesjĂ€hrigen DDG-Kongresses Prof. Dr. Dr. Matthias Tschöp (Paul-Langerhans-Medaille) und Prof. Dr. Martin Heni (Ferdinand-Bertram-Preis) referierten ĂŒber ihre jeweiligen aktuellen Forschungsergebnisse.
Neben guter Rhetorik und spannenden Aussichten auf zukĂŒnftige Forschung bleibt dabei vor allem eines hĂ€ngen: Adipositas scheint unter anderem eine Erkrankung des Gehirnes zu sein und hieraus ergeben sich neue potenzielle Möglichkeiten der Therapie. Ob man damit die sogenannte „Adipositasepidemie“ eindĂ€mmen kann, wird sich wohl erst in der Zukunft zeigen. Weiterhin stelle ich mir nun die Frage, ob zukĂŒnftig die Diabetologen in enger Zusammenarbeit mit der Neurologie und Psychiatrie an diesen Themen arbeiten.

Mit Sicherheit kann ich aber aus meiner Sicht behaupten, dass die beiden prĂ€mierten Forscher an diesem Freitag zeigten, warum sie die Auszeichnungen der DDG verdient haben. Abschließend kann man also sagen, dass die Preisverleihung/Paul-Langerhans-Vorlesung ein definitives Highlight des DDG-Kongresses 2019 darstellt und einen Ausblick gibt auf kommende Forschung und damit auch Lehre.

Maximilian Hopf

Alltag im Ausnahmezustand – Auswirkungen des Typ-1-Diabetes auf Familien und Perspektiven in der Betreuung von Kindern und Jugendlichen mit Diabetes mellitus

In unserer modernen, von Wissenschaft und vornehmlich rationalen Entscheidungen geprĂ€gten Welt ist es Standard, nichts mehr dem Zufall zu ĂŒberlassen. In vielen Kreisen ist es en vogue vor der Schwangerschaft durch einen der vielen online Anbieter mittels Speichelprobe eine Genomanalyse durchzufĂŒhren. Diese versprechen mögliche Erbkrankheiten oder genetische PrĂ€mutationen, die den Nachwuchs betreffen könnten, aufzudecken. Junge Eltern wĂ€hnen sich so in trĂŒgerischer Sicherheit, wenn die Erkrankungsrisiken von Trisomie 21 oder Mukoviszidose in beruhigend niedrigen Wahrscheinlichkeiten auf Papier gebannt sind.

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Kardiometabologie

In der Session „Herzinsuffizienz und Diabetes“ wurden die HintergrĂŒnde der wissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten Jahre zu diesem besonders aktuellen Schnittpunktthema zusammengefasst. Die Session wurde geleitet von Nikolaus Marx und Wilhelm Krone und umfasste vier interessante State-of-the-art-VortrĂ€ge.

In VortrĂ€gen von Nikolaus Marx, Roland Schmieder, Katharina SchĂŒtt und Ralf Westenfeld wurden verschiedenste Gesichtspunkte beleuchtet, fĂŒr die Therapie von Patienten mit Diabetes Mellitus und kardiovaskulĂ€ren KomorbiditĂ€ten (z.B. KHK, Hypertonie, Herzinsuffizienz, pAVK, Vorhofflimmern).

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Von der Stimmgabel zur Smartphone-App – Neue Diagnostik-Wege in der Polyneuropathie

Unkonventionell – was könnte in einem Programm mit einer Vielzahl an verheißungsvollen Themen aus der Masse herausstechen, wenn zwischen mehreren gleichzeitig laufenden Symposien entschieden werden muss? Diese Frage haben mehr Kongress-Teilnehmer mit „Unkonventionelle Diagnostik bei Neuropathie“ beantwortet, als der Saal SitzplĂ€tze geboten hat. Passenderweise begann PD Dr. Ovidiu Alin Stirban augenzwinkernd mit den Worten, er habe einen unkonventionellen Titel fĂŒr sein Thema gesucht.

Ein großes Problem der distalen sensorischen Polyneuropathie (DSPN) ist, dass sie hĂ€ufig nicht erkannt wird. In einer Studie von Ziegler et al. (2018) wurde gezeigt, dass die schmerzhafte DSPN bei bekanntem Diabetes in 62% der untersuchten FĂ€lle nicht diagnostiziert wurde, bei der schmerzlosen DSPN waren es sogar 81%.

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Einbahnstraße Typ-2-Diabetes?

Symposium: Curing diabetes – dream or reality

Weltweit ist die PrĂ€valenz von Typ-2-Diabetes stark zunehmend, ebenso sein grĂ¶ĂŸter Risikofaktor: Fettleibigkeit. Gewichtsabnahme gilt daher als wichtiges Mittel, der Erkrankung vorzubeugen und ein Fortschreiten zu verhindern. Die Effekte gehen wohl aber noch darĂŒber hinaus, wie kĂŒrzlich veröffentlichte und auf dem DDG-Kongress vorgestellte Daten zeigen:

Unter der FederfĂŒhrung von Prof. Roy Taylor und Prof. Michael Lean konnte im Rahmen der „Direct“-Studie bei 149 ĂŒbergewichtigen Patienten (BMI 27-45 kg/m2) mit Typ-2-Diabetes gezeigt werden, dass sich ĂŒber eine radikale Gewichtsabnahme von 10 kg Körpergewicht bei knapp jedem zweiten Patienten eine Remission erreichen lĂ€sst. BetrĂ€gt der Gewichtsverlust 15 kg, tritt sogar in 89% der FĂ€lle eine Remission ein (Lean et al., Lancet 2018 Feb; 391:541-551). Unter Remission wird dabei eine Senkung des HbA1C unter 6,5% verstanden, dies ohne jede pharmakologische Diabetesmedikation. Bei den kĂŒrzlich veröffentlichen 2-Jahres-Daten war jeder dritte Patient weiterhin in Remission (Lean et al., Lancet Diabetes Endocrinol. 2019 May; 7(5):344-355) , was die Bedeutung einer LebensstilĂ€nderung fĂŒr die Therapie des Typ-2-Diabetes unterstreicht. Je frĂŒher nach Erstdiagnose dabei das Gewicht gesenkt werden kann, desto eher ist die harte Arbeit von Erfolg gekrönt. Ein „zu spĂ€t“ gibt es dabei jedoch nicht. Auch viele Jahre nach Diagnose ist eine Remission noch erreichbar.

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CGM ab Erstmanifestation – oder: “Je frĂŒher, desto besser?“

Aufgrund der Vielzahl spannender Themen auf dem Kongress war es gar nicht so einfach, sich fĂŒr ein Thema fĂŒr den Blog zu entscheiden. Daher habe ich mich entschieden ĂŒber eine Behandlungsstrategie zu bloggen, die ich persönlich seit ungefĂ€hr 1,5 Jahren nutze: die kontinuierliche Glukosemessung (rt- und iscCGM). Zum Zeitpunkt meiner Diagnose vor ungefĂ€hr 20 Jahren war daran noch gar nicht zu denken. Doch die CGM gewinnt zunehmend an Stellenwert in der Behandlung (vorrangig) des Diabetes Typ 1 (T1D). Dies wirft die Frage auf: Ab welchem Zeitpunkt sollte dieses System in der Therapie eingesetzt werden?

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1921 bis 2019 – bleibt Insulin die einzig sinnvolle Therapie des Typ-1-Diabetes? Eine Diskussion ĂŒber SGLT2-Inhibitoren als Therapieerweiterung

1921 entdeckten Frederik Banting und Charles Best das Hormon, um das sich heute so viel dreht: das Insulin. Wie vielfĂ€ltig die Wirkung und der Einfluss auf unseren Stoffwechsel sind, war da noch nicht klar. Dennoch ist es ein Durchbruch in der Diabetesforschung und die erste ‚echte Therapie‘ fĂŒr tausende Diabetiker. Bis heute. 

Wie kann es sein, dass innerhalb von fast 100 Jahren Insulin die einzige Therapie fĂŒr Typ-1-Diabetes bleibt? Oder ist es vielleicht gar nicht so aussichtlos, wie es klingen mag? 

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Typ-2-Diabetes heilen… Traum oder RealitĂ€t?

Auf dem DDG-Kongress durfte ich Teil eines außergewöhnlich spannenden Symposiums sein: Es ging um die Frage, ob Typ-2-Diabetes (T2D) heilbar ist.
Die 4 dazu vorgestellten VortrĂ€ge haben ausdrĂŒcklich gezeigt, dass der T2D tatsĂ€chlich vor allem in den ersten Jahren reversibel zu sein scheint. Was ich als Zuschauer an den VortrĂ€gen besonders interessant fand, ist dass Uneinigkeit darĂŒber zu herrschen scheint, ob dies mit einer strengen DiĂ€t zu erreichen wĂ€re oder ob hierfĂŒr auf Operationen wie die Magen-Bypass-OP gesetzt werden mĂŒsse.

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Impfung gegen Typ-1-Diabetes in Sicht?

Am Nachwuchstag wurde die Frage nach Voraussetzungen fĂŒr eine Diabetesimpfung gestellt. Impfungen sind aus unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken und haben schon erfolgreich die PrĂ€vention verschiedener Krankheiten vorangetrieben. Warum also nicht auch gegen eine chronische Erkrankung wie den Diabetes impfen?

Frau Dr. Carolin Daniel vom Helmholtz Zentrum MĂŒnchen stellte die gestörte Immuntoleranz bei Menschen mit Typ-1-Diabetes in den Vordergrund, da bei diesen die AutoimmunitĂ€t ĂŒberwiegt. Normalerweise sorgen regulatorische T-Zellen, sog. Tregs, in den verschiedensten Bereichen fĂŒr die Unterscheidung von körpereigenen und körperfremden Antigenen und somit fĂŒr eine Immuntoleranz. Bei der Entstehung von Autoantikörpern, wie z.B. beim Diabetes Typ 1, entsteht ein Ungleichgewicht zugunsten der AutoimmunitĂ€t ohne dass es zunĂ€chst zu klinischen Symptomen kommt.

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