1 – 2 – Risiko

Oh man, noch 6 Tage und ich bin Arzt. Dann kann ich mich nach 2594 Tagen nicht mehr als armen Studenten bezeichnen. Naja, schlagartig mehr Geld habe ich dann auch nicht, aber immerhin einen Abschluss. Hoffentlich.

Ich bin gestresst, überlernt, habe meinen Tag-Nacht-Rhythmus verloren und meine Makroverteilung hat sich stark in Richtung Kohlenhydrate verschoben. Und jetzt so kurz vor dem dritten Staatsexamen sitze ich im Zug nach Leipzig, denke mir nur, warum gehe ich das Risiko ein und warum nutze ich die Zeit nicht zum Lernen?! Alle Freunde, die bereits Ärzte sind, haben mich beruhigt und meinten, es würde eh keiner durchfallen. Ich höre das zwar, aber es kommt nicht so richtig an.

Über das große Netzwerk der Medimeisterschaften werde ich in einer fantastischen Mediziner-WG herzlich aufgenommen. Als ich erzähle, dass ich so kurz vor dem M3 stehe, gucken sie mich ungläubig an. Ich kriege ein schlechtes Gewissen und gehe nochmal die Altfragen-Protokolle durch. Der Sturm im Kopf wirft das Boot von „Ich kann das und habe jede mündliche Prüfung leicht gemeistert“ zu „Was ist nochmal dieses Herz und warum denke ich nicht aktiv ans Atmen“.

Auf dem Weg zum Kongress frag ich mich, ob da oben überhaupt Platz ist für neues Wissen, neue Menschen. Naja, das werde ich mal auf mich zukommen lassen.

Bei der Begrüßungsveranstaltung des Nachwuchsprogramms erkenne ich viele bekannte Gesichter, höre bekannte Stimmen und freue mich so richtig drauf, alle wiederzusehen. Ich entspanne mich etwas, der Kaffee schmeckt und der Kongress kann beginnen. Erst vergehen die Vorträge und dann die Tage wie im Flug. Ich lerne von Domenico Tricò und der verbesserten Glukose-Toleranz nach einem Protein-Preload, von Stressmanagement im Praxisalltag und sammle Eindrücke aus der Gesundheitspolitik im Symposium des BVND.

Zugegebenermaßen – so aufnahmefähig wie in den letzten Jahren war ich nicht, aber aus der Höhle namens ärztliche Zentralbibliothek herauszukommen, hat mich beruhigt, entspannt und hat mir vor allem viel Spaß bereitet.

Auch wenn ich dann letztendlich nicht zu diabetologischen Themen befragt wurde, den Kongress zu besuchen war genau die richtige Vorbereitung, genau die richtige Pause vom Lernen und genau richtig, um nochmal den Kopf frei zu bekommen.

Mittlerweile liegt die Prüfung hinter mir und freue mich schon auf den nächsten DDG Kongress – meinen ersten als Arzt.

Jonas Laaser

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